Panorama Infotafel

Ein wirklich aufwendiges Projekt!

…warum das so war möchte ich hier in meinem Blog Artikel gerne beschreiben.

Berggeist Blick übers Murnauer Moos

Berggeist Blick übers Murnauer Moos

Der Auftrag

Es war im Frühjahr 2010, als mich das Verkehrsamt Murnau damit beauftragte, ein Panoramabild in großer Auflösung auf Aludibond kaschiert,von dem wunderschönen Aussichtspunkt höhe Berggeist, über dem Murnauer Moos anzufertigen. Später sollte diese mit Informationen wie Bergnamen und Erläuterungen zu besonderen Stellen im Murnauer Moos versehen werden, was auch Bestandteil meines Auftrags war.

An dieser Stelle kann man seinen Blick über beweidete Wiesen, bis zu den Münchner Hausbergen, Herzogstand und Heimgarten, über die Garmischer Wettersteinwand, bis hin zum Hörnle über das Murnauer Moos bis ins Loisachtal wandern lassen. Eine wirklich einzigartige Stelle im „Blauen Land“, die sich geradezu anbot, dort eine kleine Raststation für Touristen und heimische Wanderer zu installieren. Vom Verkehrsamt Murnau in Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde war geplant, einen alten Heustadel aus Mittenwald abzutragen, um diesen dann mit erweitertem Vordach für die Panoramatafel am Berggeist als Brotzeithütte für Wanderer wieder aufzustellen.

Nachdem die Panoramafotografie in dieser Zeit mein fotografischer Schwerpunkt war, freute ich mich sehr, über den für mich bislang untypischen Auftrag.

Der erste Versuch

Beim nächsten guten Wetter fuhr ich also, die Sonne stand schon etwas tiefer, gut mit Technik versorgt los, um den ersten Versuch zu wagen. Leider bemerkte ich bereits bei der Ankunft dass das zunächst gut wirkende Licht vor Ort gar nicht mehr so gut aussah. Problematisch zeigte sich auch, dass die linke Bergkette vom Herzogstand bis zu den Garmischer Alpen zwar schön, vom bereits tief stehenden Licht ausgeleuchtet war, jedoch die rechte Bergkette bereits im Schatten lag.

Somit war in der rechten Bergkette kaum mehr Zeichnung zu erkennen. Außerdem war die Luft offensichtlich viel trüber als ich mir zuhause noch dachte, denn die ca.30km entfernten Garmischer Berge, die sich im Zentrum der Bergketten befinden, waren nur schemenhaft zu erkennen.

Naja dachte ich mir, und fotografierte trotzdem um erste Erkenntnisse bez. Auflösung & stitching [1] zu gewinnen. Ich wollte ebenfalls in Erfahrung bringen, ob sich mit Hilfe der HDR [2] Technik noch Information aus den schattigen Bereichen “herauskitzeln” lassen würden.

[1] das Zusammensetzen der Einzelfotos am Computer

[2] High Dynamic Range = Hoher Kontrast Umfang – eine Technik um die Grenzen des Kamerasensors zu überlisten: Tiefen(werden aufgehellt und lichter abgedunkelt – soweit bis es keine Bereiche ohne Bildinformation/Zeichnung mehr gibt.

 

Erste Erkenntnis

Beim Zusammensetzen des Panoramas bemerkte ich recht schnell, dass die Licht- und Luftverhältnisse eine entscheidende Rolle spielen werden, um ans gewünschte Ziel zu gelangen. Die “abgesoffenen” oder schattigen Bereiche waren auch mit der HDR  Technik, zumindest bei leicht trüber Luft leider nicht zu bewältigen.


Der zweite Versuch

Diesmal beschloss ich bereits in der Früh vor Ort zu sein, um den Verlauf des Lichts, in Bezug auf die Bergketten studieren zu können. So befand ich mich um bereits 6.00 Uhr vor Ort. Man konnte lediglich erahnen, dass sich die Sonne ganz links, hinter den Bäumen, gemächlich ans Aufgehen machte.

Das größte zusammenhängende mitteleuropäische Moor – Murnauer Moos genannt, lag von dicken Nebelschwaden bedeckt vor mir und übte einen Zauber auf mich aus, den vermutlich nur Menschen kennen, die ebenfalls öfter so früh allein in der Natur unterwegs sind. Die Stille wurde nur ab und an von Greifvögeln oder Wildrufen unterbrochen.

Es dauerte länger als ich vermutet hatte, bis die Sonne so weit oben am Himmel stand, dass sie neben der rechten, auch die linke Bergkette beleuchtete. Leider hatte sich der Nebel zu diesem Zeitpunkt nur leicht aufgelöst. Für ein normales Landschaftsfoto wäre genau das, die malerische Note im Foto geworden. Für den Zweck Informationstafel, war er leider völlig ungeeignet. Die dicken Schwaden verdeckten zu viele wichtige Bachläufe, Köchel und Seen, die auf der Tafel gekennzeichnet werden sollten.

Als sich der Nebel um ca. 10.30 Uhr weitgehend aufgelöst hatte stand die Sonne bereits so hoch und weit rechts, dass mir schnell klar wurde, früher am Tag fotografieren zu müssen. Um möglichst viele Details im Bild festhalten zu können, war und ist direktes Gegenlicht eher ungeeignet.

Ich kann mich an einige weitere Versuche erinnern. Immer gab es Gründe, erst gar nicht zu fotografieren, oder es zu versuchen, um dann Zuhause festzustellen, dass es wie schon befürchtet wieder einmal nicht so geworden ist wie ich mir das Endprodukt vorstellte. So langsam bekam ich das Gefühl, der Aufgabe womöglich nicht gewachsen zu sein.

Hier könnt ihr nur einige Ergebnisse die zu geeigneten, verschiedenen Tages- und Jahreszeiten aufgenommen wurden. Viele Panoramen habe ich umgehend gelöscht, da mir gleich nach dem zusammensetzten klar wurde, dass es wieder nicht gut genug war. Auch mit dem Bildausschnitt hatte ich lange hin und her überlegt welcher wohl der geeignetste ist:

Die große Erkenntnis:

Auch als routinierter Panoramafotograf, der sich bislang einbildete, mit jeder Szene und jedem Kontrastumfang fertig zu werden, musste ich mir eingestehen, dass es gar nicht so einfach werden würde, die gestellte Aufgabe perfekt zu realisieren. Es waren sehr viele Faktoren die sich erschwerend auf die Umsetzung auswirkten:

  • Die Tageszeit: Nachdem die Sonne links im Motiv auf- und rechts im Motiv untergeht, kommt das Sonnenlicht leider eigentlich nie von hinten – oder gar von schräg hinten. Das ganze Jahr hat man hingegen mit Gegenlicht oder zu niedrigem Licht von der Seite zu tun. Lediglich im Hochsommer kann es von relativ senkrecht oben kommen – was wiederum zu einer sehr kontrastarmen – flachen Ausleuchtung führen würde. Die Sonne muss also schon so hoch stehen, dass beide Bergketten ausreichend ausgeleuchtet werden, darf aber noch nicht so weit nach rechts gewandert sein, dass sie bereits im Motiv erscheint.
  • Die Jahreszeit: Im Frühjahr als auch im Herbst liegt morgens der Nebel im Moor, was wie beschrieben für das Projekt der geplanten Infotafel ungünstig ist. Zudem hing der Nebel bei weiteren Versuchen, jeweils zum perfekten Zeitpunkt zum Fotografieren, noch  zu sehr im Moor. Später wurde mir bewusst, dass sich das Moor über Die Sommermonate saftig grün färbt. Ein grünes Moor wollte weder ich, noch der Auftraggeber, denn so sieht es vom weiten wie eine gewöhnliche Wiese aus. Das Murnauer Moor sollte auf der Panoramatafel, zwingend als solches erkannt werden können und sich optisch von den üblichen Wiesen abheben. Somit wurde es schon recht schwer einen passenden Zeitpunkt für das Fotografieren des Panoramas zu finden. Im Frühjahr und Herbst war es also zu dem vom Licht her gesehenen günstigstem Zeitpunkt oft zu neblig. Im Sommer hingegen, hatte ich das Problem mit der schnell zu hoch stehenden Sonne oder dem zu grünen Moos.
  • Die Luft: Wenn man Berge klar und kontrastreich fotografieren möchte, die 30km und weiter entfernt sind, wird man feststellen, dass es nicht viele Tage im Jahr gibt, an denen dies bei Sonnenschein möglich ist. Hat es jedoch in der Nacht zuvor ordentlich geregnet, und der nächste morgen ist schön – dann wirkt die Luft wie durchgeputzt. So kann es sein, dass man für Sonnenwetter vergleichsweise optimale Fernsicht und schöne kontrastreiche Bergkonturen vor Augen hat.
  • Der Himmel: Bei meinen meisten Versuchen hatte ich einen strahlend blauen Himmel der sich ohne Wolke irgendwie langweilig im jeweils fotografierten Panorama zeigte. Ich hoffte also zu dem auf einen Tag mit schönem „Schäfchenwolkenhimmel“.
  • Der Bildausschnitt: Eine weitere fotografische Aufgabe, die es zu lösen galt. Einerseits war ich zunächst versucht, so viel Vordergrund wie möglich in das Bild einzubeziehen um so für eine optimale Tiefenwirkung zu sorgen, andererseits musste ich feststellen, dass dies unweigerlich dazu führte, das eigentliche Thema des Projekts, das Moos und die Bergketten, in den Hintergrund zu rücken.

 

Der perfekte Tag

Genug geschwafelt – ich meine, wer diesen Text bis hier hin gelesen hat, ist sich bestimmt auch im Klaren darüber, dass es mir schließlich doch noch gelungen ist das Panorama so zu fotografieren, wie ich es mir vorgestellt hatte. Warscheinlich habt ihr es sogar schon gesehen.

 

Deshalb hier mein Ergebnis:

Der perfekte Tag
Der perfekte Tag

Wie es dazu kam:

Nach einigen Anläufen war mir klar geworden dass mein Werk im Frühjahr fotografiert werden sollte. Zudem hatte ich mittlerweile herausgefunden dass es ein Tag sein sollte, der zwar sonnig ist, aber dennoch Wolken am Himmel zu sehen waren – idealerweise sogar Regengüsse in der letzten Nacht stattfanden.

Viele dieser wenigen Tage, war ich durch meine Arbeit des ersten Standbeins verhindert. Zähneknirschend führ ich paradoxerweise an diesen Tagen wie viele Pendler im Zug an der Szene vorbei und musste in Kauf nehmen, keine Zeit zum Fotografieren zu haben.

Letztlich hat es dann aber doch noch geklappt!!!

Es war ein sonniger Morgen im April 2011, in der Vornacht hatte es ordentlich gegossen und es war so warm, dass mir auch der Nebel keine Probleme bereitete. Um punkt 10.15 Uhr begann ich zu fotografieren und hatte bereits beim ersten Auslösen der Kamera ein euphorisches Gefühl im Bauch. Dieses wurde beim Zusammensetzen der Bilder bestätigt.

Es war eben der perfekte Tag – selten ging es mir so, dass mir ein Bild nach dem Druck sogar noch besser gefiel als am Computer. So konnte ich mich gelassen ans Layout und die Bergnamen machen. Zu meiner Freude war auch der Kunde absolut begeistert.

 Evtl. habt ihr die Variante zum Einzoomen ja noch nicht gesehen – schaut euch doch das Panorama mal als das  Endergebnis im Vollbildmodus unter diesem Link an!
FINAL VERSION
FINAL VERSION

Die Anfahrt: Das fertige Bild hat eine länge von 3,40m und kann am Berggeist (ca. 1km nach der Ortsausfahrt Murnau in Richtung Bad Kohlgrub) bewundert werden. Spätestens jetzt ist dieses schöne fleckchen Erde einen Besuch wert  ;-). Wie ganz oben bereits beschrieben, wurde zudem ein uriger alter Heustadel, der zum Verweilen einlädt, in Mittenwald abgetragen und an der beschriebenen Stelle wieder aufgebaut. Es würde mich natürlich sehr freuen wenn ihr es euch mal anseht, falls ihr in der Nähe seid und Eure Eindrücke hier als Kommentar hinterlasst. Unten könnt ihr die genaue Stelle in der Karte sehen. Wer lieber Zug fährt, kann den Platz auch erreichen indem man von Murnau Richtung Oberammergau mit der Bimmelbahn bis nach Seeleiten fährt (ca. 5min – 2 Stationen). Vom Bahnhof Seeleiten sind es ca 3 Gehminuten.

Endlich!

Die Einweihungszeremonie: Zum Schluss hänge ich euch noch ein Bild der Einweihungsfeier an – Vom Landrat bis zum Bürgermeister u. Presse war so einiges vertreten. Wir staunten alle nicht schlecht als bei der feierlichen Enthüllung durch Landrat Kühn und Bürgermeister Rapp eine besinnliche Trompetenmelodie – gespielt von einer unsichtbaren Person, aus dem nahe gelegenem Wald hallte – aber eigentlich wirklich angemessen bei der ganzen Arbeit , dachte ich mir :-)

 

Leave a Comment

  • (will not be published)